A-20 Turbinlite Mk II 1:72 MPM
Die Douglas A-20, auch bekannt unter den Namen Boston, Havoc und Turbinlite, kann durchaus das Arbeitspferd der alliierten Luftstreitkräfte im WK 2 genannt werden.
A-20 waren in Europa, Nordafrika, Rußland und im fernen Osten im Einsatz. Die Turbinlite war ein Kuriosum – gewissermaßen ein fliegender Scheinwerfer, der den (in der Regel zwei) begleitenden Nachtjägern (in der Regel Hurricane) das Ziel in der Luft beleuchtete. Die Turbinlite selbst war gänzlich unbewaffnet, eine Weiterentwicklung erhielt jedoch statt des Suchscheinwerfers eine Bugbewaffnung und war als P-70 der erste amerikanische Nachtjäger des WK 2.
Der MPM-Bausatz ist bestimmt nicht der allerneueste, aber in Produktionsstandard und Detailfülle derzeit das Maß der Dinge.
Es ist erstaunlich, wie filigran und zart die kleinen Bauteile bei dieser Kleinserienproduktion gelungen sind. Für die Radar-Antenne empfehle ich dennoch den Selbstbau aus Kupferlitze.
In der Schachtel finden sich nicht nur jene Teile, die für den Bau einer Turbinlite nötig sind, wie etwa der richtige Vorderteil zur Aufnahme des (aus fünf Bauteilen bestehenden) Scheinwerfers, die richtigen "Stachelschwein"-Auspuffrohre (aus Resin) und die rundum gelochten Motorhauben (auch aus Resin), sondern auch zwei weitere, unterschiedliche, durchsichtige Bugkanzeln sowie der bewaffnete Rumpfbug anderer Baumuster der A-20. Die Brandschotts, an denen die Sternmotoren befestigt werden, liegen auch als zwei Alternativen bei.
Piloten- und Funker-Abteil sind dem Maßstab entsprechend gut gestaltet. Als Detail-Versessener hätte ich mir noch die Batterie-Packung (welche den Scheinwerfer versorgte und im Bombenschacht verstaut war) gewünscht – da diese aber fehlt, werde ich die Möglichkeit nutzen, meine Turbinlite auch als Modell zum Leuchten zu bringen.
Dazu genügt eine einzelne, weiße (kalt-weiß) Leuchtdiode, und irgendwie wird es mir gelingen, die benötigte Batterie so im Bombenschacht unterzubringen, daß man damit auch hantieren kann.
Besonders erwähnenswert sind die korrekt gestaltete Einstiegsklappe des Piloten (der jedoch das zur Grundausrüstung jeder A-20 gehörende Schlauchboot fehlt) und die Fahrwerks-Streben.
Die auffälligen, länglichen Beulen an den Innenseiten der Motorgondeln beinhalteten im Original den Ladeluftkühler. Hier ist Eigeninitiative verlangt, denn diese Bausatzteile sind doch sehr "nackt".
Auch die, für 1:72 ausreichend detaillierten, Fahrwerksschächte, vertragen ein paar kleine Verbesserungen, wie den Mechanismus der Fahrwerksklappen, oder diverse Leitungen.
Daß Ruder und Klappen nicht als einzelne Bauteile ausgeführt sind, ist zwar nicht Stand der Technik, läßt sich aber aufgrund des sonst Gebotenen verschmerzen.
Wer vergißt, hinter das Piloten-Abteil ausreichend Ballast einzufügen, braucht sich nicht wundern, wenn seine Turbinlite sich auf den Hintern hockt.
Die Kennungen und Markierungen sind hervorragend gedruckt. Daß sie spärlich ausgefallen sind, liegt daran, daß diese allseits mattschwarz gestrichenen "Nachtjäger" auch im Original farblich recht eintönig waren.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt - trotz der nicht geringen Kosten - wegen der gebotenen Qualität und der vielen Alternativ-Teile, die der Ersatzteilkiste zugute kommen.
Wer noch den uralten Revell-Bausatz der A-20 kennt, und auch den von Airfix, der weiß welch Goldstück man mit diesem MPM-Bausatz in Händen hält. Wegen fehlender Paßstifte und –löcher, sowie der Resin-Bauteile, ist er für den fortgeschrittenen Modellbauer zu empfehlen. Wer sich nur ein wenig Mühe mit weiteren Verfeinerungen gibt, hat als Lohn ein Modell der Extra-Klasse zu Hause stehen – ganz ohne teure Ätz-Teile.
P.S.: Die Schreibweise "Turbinlite" ist kein Schreibfehler, sondern entspricht dem Original von vor 70 Jahren. Die Amis waren auch damals sprachlich schon "einfach gestrickt".
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